Als vor ein paar Tagen die Nachricht, dass Star Wars: The Old Republik im Herbst auf ein anderes Bezahlmodel wechseln wird, die - allerdings nicht sehr überraschte - MMOG-Szene traf, beschlich mich ein komischen Gefühl in der Magengegend und Alptraum-Visionen über die Zukunft des Genres plagten mich. Nun ja, beides könnte auch am nicht ganz leichtem Essen vom Grill liegen.

Star Wars: The Old Republik erschien im letzten Jahr mitten im Dezember, pünktlich zur Weihnachts- bzw. Geschenkzeit und man unkte schon, ob da nicht Druck vom Publisher EA hinter stand und ob das Spiel selber damit nicht zu früh veröffentlicht werden würde. Das Spiel kam zu früh auf den Markt, aber nicht nur um vielleicht ein paar Monate, sondern um Jahre. Versteht mich nicht falsch: SW:TOR ist ein nettes Spiel und es hat Spaß gemacht zu mindestens einen Charakter auf maximal Stufe zu bringen, aber die Halbwertzeit des Spieles liegt bei 1-3 Monaten, je nach Spielertyp. SW:TOR ist auf dem typischen easy-to-play Konzept gebaut: Questen bis zur höchsten Stufe, dann ab in die Tretmühle des sogenannten 'Gear Grinding' mittels Tagesmissionen, Instanzen oder Raids. Aber auf diesem Konzept basieren schon zig andere Spiele, wie Rift, Everquest oder WoW, seit über einer Dekade und bieten dabei noch nebenbei wesentlich mehr zusätzliche Features als es Bioware in SW:TOR tut. Sicherlich, die voll animierten Interaktionen mit den Questgebern und die teilweise sehr fesselnde Hauptgeschichte der jeweiligen Klassen sind toll gemacht und sorgen zu mindestens beim Ersterleben für viel Spaß, aber dies reicht heutzutage nicht mehr, um das Gros der Spielerschaft an ein Produkt langfristig zu binden.

Aber die Problematik der Gestaltung des Endgames bzw. die Anzahl und Art der Features in einem Spiel, welche für Langzeitmotivation sorgen könnten, ist nicht nur auf SW:TOR beschränkt. Auch Tera, mit seiner etwas anderen Kampfmechanik, The Secret World, mit dem drei Fraktionen PvP und dem klassenlosen System oder auch das kommende The Elder Scroll Online, welches uns bislang von den Entwicklern nur als weiteres easy-to-play Konzept vorgestellt wird, werden mittelfristig Kunden verlieren bzw. die Massen gar nicht erst begeistern. Vor Jahren wären solche Spiele noch begierig von der MMOG-Spielerschaft aufgenommen worden, doch das Konzept, das Design ist ausgelutscht und man kann keinen Blumentopf mehr damit gewinnen – obwohl diese Aussage zu relativieren ist, würde man nur die reine Rentabilität sehen.

Rift und World of Warcraft haben die Zeichen zu mindestens ein wenig erkannt und steuern dagegen. Mit den Expansions 'Storm Legion' und 'Mists of Pandoria' wird nicht nur neuer Content für die Jagd nach der besten Ausrüstung hinzugefügt, sondern auch neue Möglichkeiten ins Spiel eingebaut, um einen Spieler zu beschäftigen. Und es wird auch dringend nötig sein, nicht umsonst werden Spiele wie Guild Wars 2 oder Archeage, welche entweder neue Wege gehen bzw. einen Haufen Features zur Unterhaltung des Spielers einbauen, derzeit von der Spielerschaft auf ein Podest gehoben. Es gilt also festzuhalten: 'Gear Grinding Endgame Content' – eindeutig einen Eintrag ins Bullshit Bingo wert – ist nicht mehr das Allheilmittel bzw. die Garantie zum Geld drucken.

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