Viele würden an dieser Stelle wohl erwarten, dass man über die einzelnen Spiele schreibt, die Neuigkeiten, welche meist keine mehr sind, und im allgemeinen über die teilweise arg pompösen Ausmaße der Selbstzelebrierung einer Branche. Ich mag an dieser Stelle aber eher über meine persönlichen Impressionen berichten.

Um irgendwelche Cinematic-Trailer vorgeführt zu bekommen oder die Gelegenheit für eine kurz bemessene Zeitspanne nach einer überproportionalen langen Wartezeit mal einen kommenden Titel anspielen zu dürfen, lohnt sich eine Fahrt nicht. All dies kann man auf den spezialisierten Seiten im Internet in Wort, Schrift, Bild und Ton gemütlicher und meist auch detailierter serviert bekommen. Wer allerdings auf Messestände und deren Aufmachung steht, kommt ohne Frage auf seine Kosten. Nicht wenige dürften eine Budget von weit über eine halbe Million Euro verschlungen haben. Pompös, bombastisch und teilweise sogar erdrückend dominant stehen sie in den Hallen und ringen dem Besucher einige anerkennende Laute ab. Würde man aber nach der Weisheit urteilen, dass alles 'mehr Schein als Sein' ist, könnte man in Versuchung kommen den Schluss zu ziehen, dass es der Games-Branche ziemlich dreckig geht.

Nun gut, es ist kein Geheimnis, dass Vivendi sich schon seit einiger Zeit bemüht seine Anteile an Activision/Blizzard zu verkaufen, angeblich weil das Unternehmen schon seit Jahren komplett von den Einnahmen durch World of Warcraft lebt und selbst Titel wie Call of Duty oder Star Craft II nur kurzfristigen und überschaubaren Profit bringt. Umso wichtiger erscheint es, dass sie baldigst mit ihrem MMOG Titel Titan an die Öffentlichkeit treten. Auch über ein Verkauf von EA an Providence Equity Partners, welche auch schon die Mehrheit an Bethesda ihr eigen nennen, wurde unlängst in der New York Times spekuliert und prompt stiegen die EA Aktien wieder um 10%. Bei näherem Hinsehen wird aber ein alter Bekannter als Quelle dieser Aussage sichtbar. Genau, der liebe Herr Pachter, seines Zeichens Wahrsager (Finanzanalyst), hat mal wieder zugeschlagen und EA erneut mit einer seiner Aussagen kurzzeitig zu einem leichten Anstieg bei den Aktienkursen verholfen. Ich frage mich, wann die Börsenaufsicht der Wall-Street da mal eingreift, koscher ist das ganze doch bestimmt nicht mehr.

Aber zurück zur gamescom. Ich war also am Fachbesuchertag dort, wie in der Vergangenheit öfters, und wunderte mich ein wenig, ob ich mich nicht im Tag vertan hätte. Die Mehrheit an Besuchern, welche mir über den Weg gelaufen sind – und es war erstaunlich voll – dürften nicht älter als 20 gewesen sein und zumeist beschlich mich das Gefühl, dass hier ganze Klassen getarnt als Ausflug unterwegs waren. Es mag zwar elitär klingen, aber wie zur Hölle sind die da rein gekommen? Vielleicht sollten die Veranstalter mal ihr Akkreditierungssystem überprüfen und nicht eine uneingeschränkte Anzahl an Leuten von jeder eh nicht gelesenen Gaming-Seite zulassen. Kein Wunder also, dass man, um an die wichtigen Informationen und Gesprächspartner zu kommen, entweder im Vorfeld einen Termin machen oder besonders dreist sein mußte. Wo man früher noch gemütlich in die Business-Bereiche gehen konnte, um nach Bekannten Ausschau zu halten oder freundlich nach Informationen zu fragen, wurde man diesmal sogar direkt am Eingang freundlich aber bestimmend zurückgehalten. Abschreckend für viele und mit Sicherheit wegen oben beschriebener Zugangspolitik der Veranstalter auch notwendig, erfüllte es mich allerdings mit Wehmut an alte (Leipziger)Zeiten.

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