Vor einigen Monaten stellte ich in einem meiner Artikel die These auf, dass auf Grund des derzeitigen harten Wettbewerbes im Bereich der F2P/Freemium Titel einige Firmen gezwungen sein werden Verluste in Kauf zu nehmen, um die Zeit zu überbrücken, bis sich die Spreu vom Weizen trennen und die Anzahl an Publishern von F2P/Freemium Spielen so drastisch reduzieren wird, dass auch automatisch das Angebot wieder der Nachfrage angepasst ist. Ein weiteres Opfer im Spiel um die monatlichen Geldzuwendungen von Spielern scheint Funcom zu werden.

Funcom ist ein norwegischer Entwickler und Publisher von Computerspielen mit Sitz in Oslo. Insgesamt veröffentlichte Funcom bis heute über 20 Titel. Zu den wohl bekanntesten darunter gehören die Adventures The Longest Journey und Dreamfall und die die MMORPGs Anarchy Online, Age of Conan sowie das unlängst erschienene The Secret World. Letzteres konnte nur wenige - wobei dies eher von der Perspektive abhängt - Spieler zum Kauf bewegen, noch weniger zu einem Verbleib nach den ersten 1-2 Spielmonaten und blieb weit hinter den Erwartungen der Firma zurück.

Schon kurz vor der Veröffentlichung von The Secret World machte Funcom negative Schlagzeilen, als die Oslo Stock Exchange (OSE) und weitere Behörden in Norwegen wegen des Verdachts auf Insiderhandel gegen Trond Aas anfingen zu ermitteln. Der ehemalige Chef von Funcom, der seinem Unternehmen weiterhin als Berater zur Verfügung stand und insbesondere am Mitte 2012 angekündigten Lego-MMOG mitarbeitete, hatte kurz vor dem Start von The Secret World am 3. August 2012 seinen Posten niedergelegt. Dadurch war Aas rechtlich in der Lage, sich von einem großen Aktienpaket zu trennen - und zwar bevor klar wurde, dass sich The Secret World finanziell nicht so gut schlägt wie erwartet. Die Behörden prüften, ob Aas als Insider schon vorher wusste, dass sich das MMORPG für Funcom zum Problem entwickeln würde.

Nach 'nur' 200.000 verkauften Exemplaren wurde dann knapp der Hälfte (150) der Belegschaft gekündigt und einige Zukunftsproduktionen auf Eis gelegt, um so für Stabilität der ihm freien Fall befindlichen Funcom-Aktie zu sorgen, welche von April bis September knapp 85% ihres Wertes verloren hatte. Ende Oktober wurde im Aufsichtsrat beschlossen nach Zukunftsoptionen für ein Weiterbestehen und/oder Konsolidierung zu suchen.

Nun scheint Funcom auf dem Markt zum Kauf angeboten zu werden, doch wer könnte daran interessiert sein?

EA auf dem Papier wohl Favorit

Electronic Arts als langjähriger Partner würde durchaus in Frage kommen, auch weil einige EX-EA Manager im Aufsichtsrat von Funcom sitzen, allerdings hat EA selber finanzielle Schwierigkeiten, wie man alleine anhand der rasanten Talfahrt der Aktie in den letzten Monaten entnehmen kann. Ein weiteres Indiz findet man bei der verzweifelten Umstellung von P2P (Pay to Play) auf F2P (Free to Play) innerhalb eines Jahres nach Veröffentlichung bei Star Wars: The Old Republic. Das F2P System ist übrigens ganz auf Abonnementenfang ausgerichtet, um aus einem anscheinend unterdurchschnittlichen MMORPG noch kurzfristig soviel Geld wie möglich zu generieren, denn es ist ja bekannt, dass SW:TOR nur eine Halbwertzeit von maximal 1-3 Monaten besitzt.

Der Verdacht, dass man den Jahresabschluss und Q4 bilanztechnisch aufmotzen will, damit man einen höheren Verkaufspreis der gesamten Firma in die Höhe treiben kann, liegt nahe, denn schon seit Monaten schwirren Gerüchte umher, dass auch EA unterm Tisch zum Verkauf angeboten wird. In diesem Zusammenhang liest man ab und zu das wohl sowohl Nexon mit Unterstützung einiger südkoreanischer Investoren, als auch Bethesda mit Unterstützung der Equity Partners Investment Group Interesse signalisiert hätten.

Zudem mag EA mächtig Probleme mit dem Disney Konzern bekommen, welcher unlängst für 4 Mrd USD Lucas Film LTD und alle Subfirmen wie Lucas Art oder ILM gekauft hat. Disney mag zwar kein gesteigertes Interesse an Videospielen haben, aber sie können es nicht leiden, wenn einer ihrer Marken schlechte Qualität vorweist und damit schlechte Presse bekommt.

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