2012. Lohnt sich denn ein Rückblick, ist denn überhaupt etwas passiert oder können wir das letzte Jahr als blassen Lückenfüller zwischen 2011 und 2013 betrachten? Gibt es irgendetwas woran wir uns erinnern können und wollen, gab es zwischen all den Krisen, welche uns medial um die Ohren gehauen worden sind, irgendetwas regional übergreifend positives zu berichten? Spontan fällt mir nicht wirklich etwas ein und ich muss wohl vorerst mit den Krisen vorlieb nehmen.


Glaubenskrise

Der Weltuntergang hat nicht statt gefunden und dies nicht besonders überraschend, obwohl einige unbeirrte Leichtgläubige sich alle Mühen gegeben haben uns davon, basierend auf eher dürftiger und lückenhafter Beweisführung – nicht ganz unähnlich zu den meisten sogenannten Weltreligionen -, zu überzeugen. Aber schon bald werden neue Weltuntergangsszenarien konstruiert und auf die Menschheit losgelassen, aber bei all der Fülle von ausgeschmückten Horrorgeschichten und der permanenten Angst vor der Auslöschung werden jene Gläubige eher enttäuscht sein, wenn sie denn eines natürlichen Todes gestorben sind und der Weltuntergang einfach aus Unkenntnis oder Ignoranz ihnen nicht den Gefallen erwiesen hat und eingetreten ist. Ich frage mich, ob der Zustand des 'Schmollens' in das Leben nach dem Tode, wenn denn ein solches existieren sollte, transportiert werden kann.

 

Staatskrise

Der Wulff im Schafspelz, der von zu Guttenberg 2.0, der Pensionär des Jahres. Der Mann hat einfach Nehmerqualitäten und hat sich frisch, fromm, fröhlich, frei an den Werbespruch eines Kreditkartenunternehmens gehalten und einfach nur mit seinem guten Namen bezahlt. Dieser ist allerdings nichts mehr wert. Solidarität zeigte einzig und allein' seine Frau und dachte sich, wenn mein Mann im sozialen Abseits landet, muss ich direkt mal hinterher. Und so schrieb sie ein Buch, in dem es, wie sie selber in allen darüber geführten Interviews immer wieder drauf hingewiesen hat, darum ging klar zu stellen, dass sie niemals im Rotlichtmilieu gearbeitet hat. Also wenn jemand übermäßig und zuweilen ungefragt sich für etwas rechtfertigt, was er niemals getan haben soll, dann hüpft Skepsis immer schneller im Gehirn umher und verlangt nach Aufmerksamkeit.

 

Politikkrise

Die Menschen in unserem Lande sind unzufrieden, sind der Politik bzw. den Politikern überdrüssig und schieben Politfrust. Viele von jenen Gefrusteten gehen gar nicht mehr wählen und jene, die es doch tun, wählten aus Protest eine Partei, die auf Grund ihrer Transparenz keinen Hehl daraus macht, von nichts eine Ahnung zu haben … die Piraten. Ahnung haben zwar alle Parteien nicht, aber nur die Piraten geben es auch zu. Ehrlichkeit wird also doch noch ein Stück weit in der Politik belohnt. Aber durchsetzen wird sich dieses Modell wohl eher nicht.

Als Testlauf für die 2013 statt findenden Bundestagswahlen kann wohl die diesjährige Landtagswahl in NRW angesehen werden. Röttgen tat alles daran zu verlieren, um weiterhin auf seinem Posten in Berlin zu bleiben, schließlich wird der besser bezahlt und man bekommt mehr Zuwendungen von Externen; und Hannelore Kraft verwirrte uns zu jeder Gelegenheit mit ihrer Wahlkampfparole 'Wir lassen kein Kind zurück'. Was wollte sie uns denn damit sagen? Dass andere Parteien wie in Grimms Märchen die Kinder in den Wald führen, um sie dann dort zurückzulassen? Eine weitere ihrer Wahlparolen, womit sie dann endgültig vollkommen romantisiert auf dem Niveau des Musikantenstadels angekommen war, sprang uns von Wahlplakaten mit den Worten 'NRW im Herzen' an. Röttgens Wahlkampfmanager und -texter standen dem aber in nichts nach und ließen uns wissen, dass ihr Kandidat 'Politik durch Kinderaugen sieht'. Ein Vorgeschmack also auf 2013, wenn bald minder geistreiche Sprüche vor Fotos von minder kompetent aussehenden Politkern unseren Intellekt beleidigen.

Der Wähler wird verarscht, aber er lässt sich auch verarschen und begeht Selbstbetrug. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass nicht die Wahrheit, sondern die rosarote Lüge gewählt wird. Wir haben uns doch leider schon damit abgefunden, dass wir von Politiker nie die Wahrheit hören werden und mittlerweile sind Politiker auch nicht mehr Wahrhaftig. Ein feiner aber wichtiger Unterschied. Politiker haben gelernt zu sprechen, ohne etwas zu sagen. Statt auf die Suche nach einer Randpartei zu gehen, um dieser ihre Proteststimmen zu geben, sollten wir vielleicht alle mal nicht wählen gehen. Denn was würde passieren, wenn die Wahlbeteilung weit unter 50% liegen würde?

 

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