'Vorsicht Falle!' wurde im Jahre 1964 im ZDF ins Leben gerufen und lief bis 2001. In der Sendung mit dem Untertitel Nepper, Schlepper, Bauernfänger deckte Eduard Zimmermann zahlreiche im Alltag und bei Geschäften an der Haustür begangene Betrügereien auf. Würde die Sendung noch heute ausgestrahlt, so würde sie sich sicherlich mit einigen Machenschaften der F2P MMO Betreibern auseinandersetzen.

 „Kostenlos spielen!“ Dieses Versprechen wird den Konsumenten von den meisten F2P MMOG Betreibern in ihrer Werbung gemacht. Über die Definition des Begriffes 'Kostenlos', die Suggestion der ganzen Aussage und ob man als Publisher das Wissen voraus setzen kann, dass ohne monetäre Gegenleistung ein Spieler grundsätzlich nur stark limitiertes Spielvergnügen geboten bekommt, kann man stundenlang diskutieren. Tricks und Kniffe, wie die Publisher dann aus einem angeblichen kostenloses Spiel ein profitable Geldquelle für sich machen und die Spieler zum Geld ausgeben bewegen, gibt es viele. Um eine Ahnung der zweifelhafte Praktiken zu bekommen, schaut man sich zwei Vertreter etwas genauer an.

Atlantica Online - dieses Spiel ist in vielen Bereichen suspekt. Zum einen wird man in den Anfängen des Spieles mit Gegenständen durch z.B. Questbelohnungen überhäuft, welche später nur noch im Cashshop zu kaufen sind. Diese Belohnungen reichen aus, um einen Spieler gut zwei Wochen in dem Spiel zu halten, d.h. er wird quasi 'angefixt'. Ab diesem Zeitpunkt (Stufe 80+) scheint der Spieler im Spiel schon so weit gekommen zu sein, dass er durchaus motiviert sein kann weiterzuspielen und sich im Cashshop Gegenstände für ein vernünftiges Maß an Geld (15-20 € pro Monat) zulegt, um ihm das Weiterspielen zu erleichtern. Wiederum nach ein paar Wochen (Stufe 120+) erreicht der Spieler einen Punkt, an dem es ihm nicht mehr möglich ist mit den erspielbaren Möglichkeiten im Spiel vorwärts zu kommen, außer er investiert eine Unmenge – hier reden wir von hunderten Spielstunden – an Zeit, um zu mindestens einen kleinen Fortschritt zu sehen. Will ein Spieler also seinen Charakter auf die maximale Stufe bringen und jeden angebotenen Content in Anspruch nehmen, muss man reales Geld ausgeben. Spätestens an diesem Punkt sollte man 'Kostenlos' oder diesen leeren Marketing Begriff 'F2P' nicht mehr akzeptieren.

Was an diesem Spiel noch stark irritiert sind die Angebote im Cashshop. Hier nehme ich mal das Beispiel eines Reittieres, welches in Atlantica Online massiv zur Verbesserung des Charakters führt. Aber anstatt das ein Spieler das Reittier gegen Geld direkt erhält, bekommt dieser nur eine Box, aber in dieser Box sind neben dem vom Spieler gewünschten Reittier noch z.b. 25 andere Gegenstände, welche nicht unbedingt gleichwertig sind. Welchen Gegenstand man dann aus dieser Box bekommt, wird dann per Zufall entschieden. Fällt das nicht unter Glücksspiel? Muss die prozentuale Chance nicht offen gelegt werden? Und wer überprüft die Entwicklerfirma, ob sie je nach Geschäftslage nicht an diesen Prozenten dreht, damit die Spieler noch mehr Geld ausgeben?

Das zweite Spiel, dass hier näher betrachtet wird, ist World of Tanks. Auch hier wieder das typische F2P Prinzip, dass Spieler anfänglich ohne große Schwierigkeiten Spaß am Spiel haben können und recht schnell Fortschritte erzielen. Aber wieder ab einem gewissen Punkt ist der Spieler gezwungen zu wählen zwischen unverhältnismäßigen Zeitaufwand oder monatlichen Ausgaben im Cashshop um Fortschritte zu erzielen. Darüber hinaus gibt es wohl einige Ungleichmäßigkeiten in der Spielbalance. Zum einen durch sogenannte Premiumpanzer, welche nur via Echtgeld zu erstehen sind. Ein ganz besonderes Exemplar dieser Premiumpanzer soll der T59 sein, welcher außerdem nur temporär zu haben ist und massive Vorteile im Wettbewerb mit anderen Spielern darstellt.

Ein weiteres Problem ist, dass wenn ein Spieler Geld und Zeit in einen Forschungsbaum investiert hat, es durch 'Nachbesserungen' seitens des Entwicklers zu Nachteilen in diesem Wettbewerb kommt, d.h. der Spieler hat im schlimmsten Falle Geld und Zeit in einen der Forschungsbäumen gesteckt, welcher – zu meist nachdem durch ein Update ein neuer Forschungsbaum hinzugefügt worden ist - dann nicht mehr wettbewerbsfähig ist. In World of Tanks sicherlich ein ganz entscheidener Faktor, da dieses Spiel in vielen eSport Ligen präsent ist und dort um hohe Preisgelder gespielt werden.

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