Man kann wirklich nicht behaupten, dass uns das letzte Jahr mit tollen Neuerscheinungen im Genre beglückt hat. Es war eher ein Jahr der gemischten Gefühle, die es gilt aufzuarbeiten. Also frisch ans Werk.

Fangen wir mit einer der größten Enttäuschungen an ... Defiance. So ganz erschliesst sich mir bis heute nicht die Strategie, die hinter diesem Spiel steht. Sicher, das Budget war nicht besonders hoch, da es doch galt 'nur' ein Crossmediales Marketingtool begleitend zur Fernsehserie zu erschaffen und somit schränkte dies die Entwickler in ihren Möglichkeiten ein. Aber Trion Worlds machte sich das Leben zusätzlich noch schwer, indem sie zum einen auf die Verschmelzung von PC und Konsole bestand, was man besonders an der UI und SI im Spiel merken konnte, und zum anderen anscheinend nicht auf die fundierten Erkenntnisse zugriff, welche das unternehmensinterne Entwicklerteam von RIFT in Defiance hätte einbringen können. Gerade die dynamischen Events sind im Vergleich Klassen auseinander. Darüber hinaus versprachen die PR Leute vieles, was entweder nicht den Tatsachen entsprach oder gar nicht erst implementiert worden ist. Selten hab ich ein Spiel gesehen, was so viele Leute anfangs so angezogen hat, was aber die gleiche Menge an Leute auch in Rekordzeit wieder verlassen haben. Alleine wir bei Rivven hatten knapp 100 Spieler in der Gilde nach nur wenigen Tagen, von denen 2/3 nach nur 1 Woche die Inhalte durch hatten und wieder weg waren. Diesen traurigen Umstand konnte dann nur noch die Ankündigung knapp 6 Monate nach Veröffentlichung krönen, als Trion Worlds einen neuen Lead-Designer einsetzte, um das Projekt zu 'retten' und dieser in seiner Antrittsrede versprach all die Schwachpunkte zu beseitigen, welche aber von den Alpha- und Betatestern schon Monate vor Veröffentlichung lautstark im Forum oder in Gesprächsrunden angeprangert wurden. Trion Worlds galt mal als hoffnungsvollen Stern am MMO Entwicklerhimmel, mittlerweile ist die Firma nur noch das kurze Aufflackern eines erlöschenden Sternes.

Viele Spieler – und dazu gehöre ich auch – wählen bei ihren Online Avataren meist ein weibliches Geschlecht beim Erstellen aus. Zum einen liegt dies daran, dass RP (Role Play) in modernen MMOGs kaum noch vorhanden ist und zum anderen an der Ästhetik. Entwickler geben sich beim Animieren und Gestalten der weiblichen Charaktere anscheinend einfach mehr Mühe. Und wenn ich beim Spielen immer auf den Hintern meines Charakters schauen muss, dann wähle ich doch eine für mich angenehmere Ansicht. Auf der Straße schau ich auch keinem Typen hinterher, der Steroide wie TicTacs zu sich nimmt und eine Laufhaltung zum Besten gibt, der selbst Höhlentrolle aus dem Herr der Ringe verschämt zu Boden blicken lässt. Was das mit einem Spiel aus dem Jahre 2013 zu tun hat? Schon einmal was von Scarlet Blade gehört? Ein F2P Low Budget Animee MMOG, bei dem man nur weibliche Charaktere spielen kann, deren Rüstungen meist auch nur das Allernötigste verdecken und deren Oberweiten komplett der Schwerkraft trotzen. Ein Spiel für das junge pubertierende männliche Publikum, die Probleme beim Spielen haben, weil – je nach Veranlagung – eine ihrer Hände sich nicht auf Schreibtischhöhe befinden. Die Krone setzt dann noch die Bannerwerbung von Aeria Games, den Publisher, dem Ganzen auf. Ein äußerst spärlich bekleidetes und eventuell noch nicht volljähriges weibliches Toon mit einer Peitsche und darunter der Spruch: Erst schlagen, dann fragen! Man mag mir nun schmutzige Phantasie vorwerfen, aber dazu fallen mir nur versaute und teilweise nicht gerade gesellschaftsfähige Dinge ein. Ein Versehen der PR Abteilung oder gezielte Suggestion, die Entscheidung liegt bei euch.

Und wo wir schon bei Low Budget Spielen angekommen sind … Path of Exile und Warframe sind beides lobenswerte Produkte. Sie bedienen beide eine spezielle Zielgruppe, bringen auch einige gute Innovationen und bieten einen fairen Cashshop. Path of Exile ist das, was sich die Fans der Diabolo Serie vom dritten Teil erhofft hatten, aber von Blizzard nicht geliefert wurde. Stattdessen gingen ein paar Neuseeländer hin und erschufen sich so ihr Liebingspiel. Das Ergebnis ist bemerkenswert. Warframe hingegen ist ein kooperativer F2P Online Shooter in einer Sci-Fi Welt. Gute Engine, vielfältige Spielmodi und ebenfalls ein durchaus guter Cashshop. Um abends mit Freunden mal für ein paar Stunden Dampf ablassen und Spaß zu haben genau das Richtige. Aber dies sind zwei Außnahmen. Marvel Heroes, ebenfalls ein Hack 'n' Slay Spiel mit isometrischer Ansicht ist in 3 maximal 4 Tagen durchgespielt und liefert im Endgame auch nicht wirklich viele Gründe länger als nötig zu verweilen. Darüber hinaus sind die Produkte im Cashshop einfach unverschämt teuer. Firefall, nach jahrelangem Beta Testing endlich offiziell veröffentlicht worden, ist ein Spiel mit den richtigen Ideen, aber komplett nicht zu Ende gedacht umd zum Teil auch von der Programmierung schlampig umgesetzt. Großes Potential was einfach mal Brach liegt. Dragons Prophet kommt mit einem interessanten Ansatz daher, aber Langzeitmotivation will gar nicht erst aufkommen. Abgesehen davon ist es ein Spiel von den Machern von Runes of Magic – mit diesem eher abschreckenden Fakt wirbt man sogar – und wie die Refinanzierungsphilosophie dort umgesetzt wurde, dürfte hinlänglich bekannt sein. Viele der – gerade aus Asien kommenden – Low Budget F2P MMOGs sind reine Abzockerplattformen. Also vor dem Herunterladen erst einmal sich ein guten Überblick verschaffen. Notfalls einfach die Finger davon lassen.


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