Auch wenn das F2P (free to play) Bezahlmodel in den letzten Jahren zur Omipräsenz heranwuchs, so kamen doch alle High Budget bzw. triple A Spiele bei Veröffentlichung erst einmal als Verkaufsversion plus eventuell monatlicher Gebühren auf den Markt. Obsidian Entertainment wirbt aber nun damit mit Skyforge ein triple A Spiel direkt als F2P Version auf den Markt zu bringen. Mehr Schein als Sein?

'triple A' – und nein, das kleine t ist kein Schreibfehler - ist in erster Linie ein Schwachfugbegriff, den sich irgendwelche gelangweilten Wirtschaftsnasen in ihrem benebelten Zustand zwischen weißen Linien und Kristallkugeln ausgedacht haben und zu einem Bewertungskonzept gehört, dass mittlerweile eine solche Macht hat, dass über Nacht tausende von Leuten arbeits- und zukunftslos werden, nur weil die Bonität eines Landes von der fiktiven Wertung 1000 auf 999 gefallen ist. Im Mittelalter wären solche Leute auf den Scheiterhaufen geworfen worden. Und eine ähnlich geartete Nase fand es dann total toll diesen Begriff auf MMOGs zu transferieren. Wo ist der wütende Mob mit seinen Heugabeln und brennenden Fakeln, wenn man ihn mal braucht?

 

Die Allgemeinheit bezeichnet ein triple A MMOG jene Spiele, die derzeit ein Budget im dreistelligen Millionenbereich zur Entwicklung und für das Marketing zur Verfügung haben. Die Betonung liegt hier auf 'derzeit'. Spiele wie der Klassiker Dark Age of Camelot oder EvE Online zählen zwar auch zu diesen erlauchten Kreis, hatten aber nur ein Entwicklungsbudget von unter 10 Millionen. Würde man sie allerdings heute in ähnlicher Form 'nachbauen' wollen, so würden diese auf Grund der Kostenexplosion ebenfalls einen neunstelligen Betrag benötigen. Und da nur Unternehmen mit viel Geld, also hoher Bonität sich Entwicklungskosten in diesem Bereich leisten können, lag es also für oben genannter Nase nahe, dass die Verwendung des Begriffes triple A sowohl logisch als auch vollkommen legitim wäre. Schlaue Leute könnten nun einwerfen, dass man MMOGs wenn, dann doch nach Qualität bewerten sollte. Aber Qualität ist halt nun mal so unkapitalistisch, so subjektiv, so abstrakt und am Ende könnte der Masse noch auffallen, dass sie gar keine Qualität besitzt. Oh weh, schnell mal die Tür schließen und den dicken Riegel vor diesen Gedankengang schieben.

 

Und nun kommt mit Skyforge ein selbsternanntes Triple A MMORPG daher, welches rein auf das F2P Bezahlmodel als Refinanzierungsmöglichkeit setzt. Um zu erkennen, wie absurd dies zu sein scheint, benötigt man ein paar Zahlen und simple Mathematik: Ein F2P generiert über seinen Cashshop im Schnitt 2,50 $ pro aktiven Spieler pro Monat (dies nennt man ARPU – Average Revenue per (active) User). Wenn zu dem Cashshop ein Premiumaccount mit monatlicher Gebühr angeboten wird, steigt die ARPU auf 10,00 $. Bis auf drei Ausnahmen gibt es kein F2P Spiel, welches mehr als 2 Millionen aktive Spieler konstant weltweit aufweisen kann. Wie viele Monate benötigt also ein 100 Millionen Dollar Budget MMOG mit konstant 2 Millionen aktiven Spielern um sich zu refinanzieren? Das ein solches Spiel auch nach Veröffentlichung monatliche Kosten im Millionenbereich generiert, ist hier nicht einmal berücksichtigt. Die kritische Hinterfragung, ob Skyforge tatsächlich ein sogenanntes triple A Spiel oder doch nur ein Low Budget Spiel nach Vorbild unzähliger F2P Asia Grinder ist, dürfte berechtigt sein. Obsidian Entertainment muss also aufpassen, ob sie nicht zu viel versprechen.

 

Man sieht also, warum Spiele wie Star Wars: The Old Republik (250M Budget), The Elder Scrolls Online (200M Budget) oder Wildstar (125M Budget) bei ihrer Veröffentlichung mit dem klassischen Box-Verkauf plus monatlicher Gebühr daher kamen bzw. kommen. Ohne die im Schnitt 45,00 $ pro verkaufter Kopie, können solche Kosten nicht binnen eines Jahres abgedeckt werden. Mittlerweile ist es allerdings Mode geworden, dass Triple A Spiele nach einiger Zeit von P2P (Box plus Subscription als Muss) auf F2P (Cashshop und Subscription optional) umschwenken. War dies am Beginn der Versuch 'alter' MMOGs die Spielerpopulation zu erhöhen und einen Fortbestand zu sichern, so ist es heute schon mehr Berechnung. Mit F2P und somit dem Wegfall des Zwangs eine Vollversion zu kaufen, bevor man spielen kann, lockt man viele weitere Spieler an, die sich gerne umsonst mal umschauen möchten. Und einige von diesen bleiben und investieren. Mit dieser Umstrukturierung des Bezahlmodels schafft man es also, noch einmal die Einnahmen zu erhöhen. Aber auch hier ist Vorsicht angesagt. Nur weil irgendeine findige Marketing Pappnase den Begriff F2P auf ein MMOG klatscht, bedeutet dies nicht, das es wirklich kostenlos ist. Es bedeutet in erster Linie nur eines für den Konsument: Der Download der Vollversion ist kostenlos, aber um jeglichen Inhalt des Spieles oder sogar komfortabel zu spielen, muss man immer reales Geld hinblättern. F2P ist also nichts anderes als eine zeitlich unbegrenzte Probespielzeit mit starken Limitierungen. Kein Wunder, dass der europäische Gerichtshof die Phrase F2P verbieten lassen will.

 

Lobenswert auf Grund der Kostentransparenz und Konsumentenfreundlichkeit ist ein Spiel wie Guild Wars 1 und 2. Man zahlt nur einmal für die Vollversion und danach nie wieder. Sicher, auch hier gibt es einen Cashshop, über den der Publisher versucht zusätzlich Geld zu generieren. Die dort enthaltenen Gegenstände haben aber nur kosmetische Effekte oder zu mindestens keine mit Einfluss auf die Spielmechanik. Eventuell wird es auch eine Erweiterung geben, die Geld kosten wird. Aber all dies ist überschau- und abschätzbar für den Spieler. Schon verwunderlich, dass bislang kein anderes Unternehmen diesen Weg beschritten hat, obwohl die offiziellen Quartalszahlen von NCSoft eine klare positive Aussagen liefern.


Und wenn wir schon Skyforge als Anlass für eine Wirtschaftsanalyse benutzen, sollten wir auch ein paar informative Worte über das Spiel selber verlieren. Entwickelt wird das Spiel vom Allods-Team und Obsidian Entertainment, bekannt durch Spiele wie Fallout: New Vegas, Dungeon Siege 3 oder South Park: Der Stab der Wahrheit. Der Publisher wird my.com sein, welches zur mail.ru Gruppe gehört und bekannt sind für ihr stark Cashshop fixiertes F2P Bezahlmodel.

 

Skyforge selbst spielt in einer Science-Fiction-Fantasy-Welt; Mystisches trifft auf Technologie, was von der Thematik ein wenig an Shadow Run erinnert. Die Spielwelt wird antike Ruinen aber auch Raumfahrzeuge bieten und entsprechend unterschiedlichste Waffen. Man hat dabei die Möglichkeit von einem Sterblichen zu einer Gottheit aufzusteigen und je mehr menschliche Anhänger man hat, umso mächtiger wird ein Charakter. Das Klassen-System soll sehr flexibel sein, wohl ähnlich dem von Secret World, allerdings umfangreicher, man soll seinen Helden aus 15 Klassen zusammenstellen können. Außerdem kann man jeder Zeit außerhalb des Kampfes die „Klasseneinstellung“ wechseln.

 

Eine Stufe im klassischen Sinne wird es nicht geben, denn der Fortschritt des Charakters spiegelt sich in den freigeschalteten Klassenfertigkeiten wieder, was aber eigentlich nur ein verstecktes leveln ist. Da man alles mit einem Helden freispielen kann, soll ein Twinken, also das Spielen mit einem anderen Charakter, nicht nötig sein, aber man sammelt nur Erfahrung mit der Klasse, die man gerade spielt bzw. aktiviert hat. Letztendlich muss man für andere Klassenfertigkeiten doch wieder in die Startgebiete oder niedrigeren Gebiete. Dieses Konzept ist aus Final Fantasy XIV bekannt.

 

Das Kampfsystem soll, ähnlich wie Tera oder Wildstar, sehr aktionslastig sein Die meisten Fähigkeiten werden mit der Maus ausgeführt und man muss aktiv zielen. Dazu kommen Fähigkeitskombinationen und stärkere Attacken durch längeres halten der Mausbuttons. Die Steuerung soll sich dabei stark an Konsolenspiele anlehnen. Es wird, wie gerade modern, nur einen Megaserver geben, auf dem alle zusammen spielen. Ob das so bleiben wird, sollte man jetzt feststellen das Megaserver nicht unbedingt die beste Idee sind, wird man abwarten müssen. Release oder Beta Termine sind noch nicht bekannt, auch wenn man sich zu letztem schon anmelden kann.

 

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